Martina Huth

Die DDR überwunden - von Christus gefunden

Als ich 1961 in der ehemaligen DDR als Siebenmonatskind auf die Welt kam, gaben die Ärzte meinen Eltern wenig Hoffnung, denn die Medizin war noch nicht so weit entwickelt wie heute.
Doch hatte Gott schon einen Plan für mein Leben und das obwohl ich ihn nicht kannte. Wir finden diesen Plan in Jeremia 1, 5
Ehe denn ich dich im Mutterleibe bildete, kannte ich dich und bevor du aus dem Mutterschoße hervor gingst, habe ich dich geheiligt.
Gott hat schon längst beschlossen mich zu heiligen und das obwohl ich ihn nicht kannte.
Gott gebrauchte meine Mutter, die daran festhielt, dass ich leben werde. Sie, die nicht gläubig war, sondern eine Parteifunktionärin begann durch ihren Kampf und den Kampf der Ärzte Gottes Zusage sichtbar werden zu lassen. Doch es waren auch Hindernisse auf diesem Weg. Meine Lunge funktionierte nicht so wie es sein sollte. Mit 6 Monaten traten Lähmungserscheinungen auf. Meine Eltern bekamen die Nachricht von den Ärzten, dass ich weder laufen noch sprechen werde. Doch durch den unermüdlichen Einsatz der Ärzte und meine Mutter lernte ich laufen und auch sprechen. Mein Laufen ähnelt zwar einem Schiff im Sturm, aber Gott hat seine Zusage sichtbar gemacht, denn seine Wege sind nicht unsere Wege und seine Gedanken sind nicht unsere Gedanken.
Also wuchs ich ohne auch nur etwas von Gott zu ahnen heran. Gott war die ganze Zeit an meiner Seite. Es gab immer wieder Zeiten in meinem Leben wo ich mich wertlos, verletzt und ungeliebt fühlte. Da waren Fragen,“ Was habe ich zu bieten?, Warum werde ich abgelehnt?, Bin ich wirklich liebenswert?
Viele Seiten meines Lebens Buches waren voller Trauer ,ja sogar Hass und Wut gegen die Menschen, denn ich sah nur was ich sehen wollte. Meine Verbitterung wuchs und ich wies die Menschen ab. Es wurde so schlimm ,dass ich zum Rebell wurde.
Nach einem wiederholten Missbrauch wollte ich nicht mehr leben. Ich versuchte mir das Leben zu nehmen. Doch auch hier bewahrte mich Gott, denn ich wachte nach einer Woche wieder aus dem Koma auf. Während meines Krankenhausaufenthaltes besuchten mich junge Christen. Von ihnen hörte ich zum ersten Mal von Jesus. Ich versuchte sie loszuwerden. Doch ihre Liebe die ich nicht besaß, war stärker. Sie besuchten mich jeden Tag und ließen sich von meiner ablehnenden Haltung nicht beeindrucken. So entwickelte sich ganz langsam eine Freundschaft.
Alles was sie mir erzählten, konnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht verstehen. Denn in mir waren noch all die Verletzungen und meine Gedanken sagten mir auch das Gegenteil. Ich nahm nur wahr, dass sie aufrichtiges Interesse an mir hatten. Nach einer Weile luden sie mich in die Gemeinde ein. So ging ich mit ihnen an einem Mittwoch in die Gemeinde. Nur sonntags durfte ich nicht, weil es meine Eltern verboten.
Auf meinen Weg zu Gott habe ich noch Pfarrer Bronisch und seine Familie an die Seite bekommen. Bei ihnen durfte ich sein und auch sie hielten meinen ganzen Schmerz aus. In all diesen Begegnungen merkte ich wie durstig ich nach Gottes Wort war.
Bei Familie Bronisch habe ich mein zweites zu Hause gefunden, denn dort fand ich die Liebe wonach ich in meinem Leben gesucht hatte. Ich verbrachte sehr viel Zeit mit ihnen in Naumburg, was meinen Eltern nicht gefiel. Denn ich sollte ja wie sie ein Parteifunktionär werden. Sie versuchten diesen Kontakt zu unterbinden, was ihnen nicht gelangt. Da ich mich einfach in den Zug setzte und zu ihnen fuhr. So konnte ich viele Wochenenden bei ihnen verbringen und das Wort Gottes von ihnen aufsaugen. Sie machten für mich das Wort Gottes durch ihr Leben erfahrbar ohne dass sie mir ständig Bibelverse zitierten sondern Gastfreundschaft übten. Meine Eltern holten mich immer wieder zurück. Es war ein Kampf zwischen Licht und Finsternis. Gott hat schon die Kraft in uns hineingelegt um die Finsternis zu überwinden. Ich tauchte in eine mir unbekannte Liebe ein, die mir nur der Herr geben kann. Dort wurde mir klar, dass es der Herr war der beschlossen hatte mich zu lieben.
Nun bekamen meine Eltern Druck von der Partei, denn Gläubige waren nicht in ihrem Plan. Da aber nun die Lehre anstand, kamen sie auf die Idee mich in ein Internat zu stecken. Wo ich wieder nach den Richtlinien der Partei erzogen werden sollte. So konnte ich mich nur noch verabschieden. Ich bekam von Familie Bronisch noch eine Bibel geschenkt welche ich mit ins Internat nahm. Doch nach kurzer Zeit dachte ich nicht mehr über das Wort Gottes nach, denn ich sprang wieder in das System der DDR hinein. Ich wurde FDJ-Sekretärin des Internats  und somit unterstand ich den Vorgaben der Partei.
Doch eines nachts hatte ich einen Traum wo Gott zu mir sprach. Er erinnerte mich daran wie sehr er mich liebt und gab mir die Bibelstelle in Jeremia 31, 3.
So holte ich am nächsten Morgen die Bibel aus dem Schrank und begann heimlich darin zu lesen. So begann der Veränderungsprozess in mir. Doch eines Tages wurde ich von meinen Mitlehrlingen beim Lesen erwischt. Ich musste ihnen Rede und Antwort stehen und erntete viel Spott. Diese Gespräche und mein Bibellesen wurden an die Internatsleitung getragen.
Wieder forderte Gott mich heraus und ich musste mich für ihn oder gegen ihn entscheiden. Ich befand mich in einem Sturm und fühlte mich trotzdem getragen.
Da es aber im Wort heißt, „du kannst nicht zwei Herren dienen“, entschloss ich mich nicht mehr zweigleisig zu laufen. Meine Entscheidung für Gott blieb nicht ohne Folgen, denn ich wurde als FDJ-Sekretärin entlassen und flog aus der FDJ.
Nun war ich völlig abhängig von Gott und immer wenn ich aufgeben wollte, schenkte mir der Herr Träume, Bibelverse und Telefonate mit Pfarrer Bronisch. So führte Gott mich durch die Lehrzeit und er gab mir noch ein Mädchen an der Seite, welche sich offenbarte nachdem ich meine Entscheidung getroffen hatte.
6 Jahre habe ich in der Liebe Gottes Baden dürfen und tue es heute noch. Durch diese Liebe reifte in mir der Wunsch nach Taufe. So zog ich los und suchte mir eine Kirche. Der Pfarrer staunte nicht schlecht, weil es so etwas in seiner Kirche noch nicht gab, vor allem weil ich ja nun erwachsen war. Doch erst wollte er mich in dem Evangelium unterweisen. Dann war es soweit, mir wurde Wasser über den Kopf geschüttet und ich wurde auf den Namen des Vaters des Sohnes und des Heiligen Geistes getauft. Es war ein komisches Gefühl, denn es war ja die Baby Taufe. Gott hatte die Tränen der Trauer abgewischt. Aber ich hatte meinen Wert in Christus noch nicht gefunden. So probierte ich verschiedene Dinge aus. Ich begann eine evangelische Diakonenausbildung, die scheiterte, weil Menschen Vorurteile mit meiner Behinderung hatten. Aber es half mir auch zu erkennen, dass Gott einen anderen Plan hatte. So begann ich ein Theologiestudium. Während meines Studiums wurde ich sehr angegriffen, weil ich nicht schwieg zu dem System der DDR. Wieder bin ich in einen Sturm geraten und wurde verfolgt durch die Polizei und auch der Staatssicherheit. Aber alles was sie mir vorwerfen, blieb für mich ohne rechtliche folgen. Da ich auch hier Gottes Bewahrung und Gnade erleben durfte.
Während meines Studiums nahm ich an einen evangelischen Kirchentag teil. Dort traf ich auf viele Christen. Eine Gruppe von ihnen führte als Pantomime etwas auf und ich kam mit den Leuten ins Gespräch. Sie luden mich zur Abendveranstaltung ein. Diese Veranstaltung war so völlig anders als ich es von meiner Kirche her kannte. Dort hörte ich zum ersten Mal, das Jesus für meine Sünden gestorben ist. Dies wurde in meiner Kirche nicht gesagt.
Da alles was ich bis jetzt gelernt hatte ein anderes Licht bekam, ließ ich mich noch einmal biblisch taufen. Es war ein Prozess des Lernens Gott die Kontrolle zugeben und ihm ganz zu vertrauen.
Da die Widerstände immer stärker wurden, stellte ich einen Ausreiseantrag. Mir war klar, dass ich jetzt in einen Sturm gerade und so vertraute ich Gott. Den Menschen gegenüber geschwieg ich. Eins habe ich in der Zeit gelernt, lass dich nicht von deinen Gefühlen leiten, denn sie können dich täuschen. Um mit Gott vorwärts zu gehen, lege deinen Stolz ab und halte dich offen für das Reden des Heiligen Geistes, denn unser Wissen ist nur Stückwerk. Durch seine Gnade dürfen wir fallen und er hebt uns wieder auf. Als Jesus am Kreuz sagte, es ist vollbracht, hat er jede Sünde und Fehlentscheidung auf sich genommen und dich und mich zum Überwinder gemacht.

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