Gertraud Schöpflin

Unerfüllte Wünsche haben nicht das letzte Wort

„Ein Baby!“ Jahrelang schrieb ich meinem Mann diesen Wunsch zu Weihnachten auf den Wunschzettel. Doch mit der Zeit wurde die Hoffnung zur Qual. Mein Herzenswunsch blieb  unerfüllt – trotz aller Tränen, Gebete und medizinischer Hilfe.

Depression und Resignation machten sich bei mir breit. Meine Lebensträume fielen wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Ich gab meinen Beruf als Journalistin auf und begann ein Lehramtsstudium, in der Hoffnung, schwanger zu werden. Monat für Monat klagte ich Gott mehr an: „Du kannst mir ein Kind geben – warum tust du es nicht?“

Irgendwann an diesem Tiefpunkt begann ich Gottes leise Stimme in meinem Herzen zu vernehmen. Ich stieß in der Bibel auf Worte, die mir zeigten, dass Gott meine unerfüllten Träume ernst nahm. Er machte mir Mut. „Juble, du Unfruchtbare…“, las ich zum Beispiel. Ich erkannte: Gott ist nicht mein Gegner in Sachen Herzenswunsch. Er kämpft auf meiner Seite!

Und dann kam der Tag, an dem eine junge Frau mir ihr Baby in die Arme legte. Ein Jahr zuvor hatte eine alte Predigerin aus den USA mit mir gebetet und mir ihren Eindruck mitgeteilt, wir würden in einem Jahr ein Kind haben. Damals war der Kleine noch nicht einmal gezeugt… Es wurde unser erster Sohn.

Danach machte Gott uns Mut, eine Adoption in Weißrussland zu wagen. Wir hatten nur ein schwarzes Foto aus dem Fax in der Hand, als wir im Kinderheim ankamen. Etliche Kinder riefen: „Mama, Papa, nehmt mich!“ Doch das Herz unseres dreijährigen Blondschopfs  mussten wir erst mühsam erobern.

Wir waren glückliche Eltern von zwei Jungen, als das Wunder geschah und uns kurz nacheinander noch zwei leibliche Söhne geschenkt wurden. Innerhalb von neun Jahren wechselten wir unseren Status von kinderlos zu kinderreich.

Wir erlebten turbulente Jahre mit einer zusammengepuzzelten Familie. Phasenweise wurde der Traum zum Alptraum, weil unsere älteren Söhne unter frühen Traumata litten, so auch unter dem Schmerz, als Kind von der leiblichen Mutter abgegeben worden zu sein. Doch wir haben immer wieder Gottes Reden und Hilfe erlebt. Gott selbst nennt sich in Psalm 68 ein „Vater der Waisen“ – er lässt uns nicht im Stich, wenn wir als Familie mit unseren (angenommenen) Kindern durch herausfordernde Zeiten gehen. Das Leben ist nicht nur gut, wenn wir ohne Schwierigkeiten leben. Jedes Problem beinhaltet die Chance, Gott in Aktion zu erleben! Eines der jüngsten Wunder war, dass wir die leibliche Mutter unseres inzwischen erwachsenen zweiten Sohnes in Weißrussland wiederfinden konnten. Wir hatten die Jahre davor nicht einmal ein Foto von ihr gehabt… Über dieses Abenteuer – und all die anderen – berichte ich in meiner Biografie „Eine Badewanne voll Glück – Wie meine Träume laufen lernten“.


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